Nachdem wir alle erfolgreich den Weg vom dritten in den fünften Stock unseres genialen zehn Sterne Hotels überwunden hatten, empfing uns ein großes Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen ließ. Auch diejenigen, die vergessen hatten ihren Wecker zu stellen, wurden durch eigentlich nicht besonders nett gemeinte Anrufe aus den Betten geworfen. Ein weiteres morgendliches Highlight ereignete sich in Zimmer 305 um 5 Uhr, als Klaus (Name von der Redaktion geändert) felsenfest davon überzeugt war, um diese gottlose Zeit frühstücken zu müssen und sich später wunderte warum er angezogen im Bett lag.
Als alle ihren Tee und den Mangosaft genossen hatten, erwarteten wir unseren Bus (der nach 20 Minuten kam) um dann eine weitere 20-minütige Fahrt (2,5 Stunden) zum Mercedes-Benz Forschungszentrum zurückzulegen. Hier trafen wir eine ehemalige Schülerin des FSG. Elisa, die vor drei Jahren an der Studienreise teilnahm, ist momentan damit beschäftigt ein Praktikum in Bangalore zu machen.
Uns erwartete ein sehr interessanter und informativer Vortrag zum Thema Brennstoffzellen und deren Weiterentwicklung, wobei wir viele Fragen beantwortet bekamen und nun bestens informiert sind.
Da eigentlich der Vortrag auf 10 Uhr angesetzt war, allerdings durch die „20-minütige“ Fahrt auf 11 Uhr verschoben werden musste und der deutsche Generalkonsul Rolf Saligmann uns um 12 Uhr erwartete, stellte uns dieser Umstand vor ein logistisches Problem. Als Herr Merkle die Mädchen, die schon in Richtung „Restrooms“ gingen, freundlich darauf aufmerksam machen wollte, dass „Wir müssen!“, wurde dies nur mit einem „aufs Klo!“ vollendet.
Anschließend fuhren wir „20 Minuten“ lang zu einem chinesisch(-indischen) Restaurant, wo wir trotz der unmenschlichen Verspätung sehr freundlich vom Generalkonsul, Herrn Saligmann empfangen wurden. Scheinbar sind die Straßenverhältnisse dort gut bekannt und werden mit viel Humor gesehen. Eine weitere wichtige Lektion die wir alle aus dieser Reise lernen werden, ist gelassen zu bleiben, egal was passiert!
Das umfangreiche Mittagessen mit viel Konversation über unsere neuen Erfahrungen in Indien, unser Schulprojekt und die Aufgabenbereiche des Konsulats, wurde selbstverständlich mit einem Gruppenfoto beendet.

Unser „Plan“ war nun schon sehr außerplanmäßig, also musste zum Leid aller Mädchen das Shopping vorerst ausfallen und unser Bus brachte uns zu einem Hindutempel.
Dort erhielten wir, nach Abgabe von Kamera und Schuhen, einen extremen Einblick in die Religion der Hindus. So musste jeder ca. 100 mal ein Gebet singen um den Eingang passieren zu können (pro Gebetsstrophe ein Schritt), sobald wir meinten uns vordrängeln zu müssen, oder gar zwei Schritte zu machen, wurden wir mit einem strengen Blick und einer Zurechtweisung des begeisterten „Türstehers“ (?) zurechtgewiesen. Herr Merkle lotste uns souverän an anzubetenden Göttern und Ikea-ähnlichen Schnäppchenständen vorbei. Nach überwundener Angst um Fußpilz und dieser trotz allem sehr interessanten Begegnung mit der indischen Religion, mussten wir unser Können im Straße überqueren auf indisch unter Beweis stellen. Dort geschieht alles nach den Mottos: Der Stärkere fährt, der Hupende hat immer Vorfahrt (also alle!), wer Lichthupe gibt will abbiegen und wer die Straße überqueren will, tut dies einfach in ruhigem, gelassenem Schritt.
Überraschender Weise fuhren wir auch zurück zum Hotel 20 Minuten um den Block, wobei wir dreimal denselben Tiermarkt passierten und halbwach in unsere Zimmer zurückkehrten um ein paar Minuten später „ganz wach“ in Richtung Shoppingzentrum (Ja, wir haben uns doch noch durchgesetzt! Herr Merkle und Frau Waible kamen sogar beide mit) loszuziehen. Dieses stellte sich als mehr oder weniger gewöhnlich heraus. Lediglich die Getränkepreise sollten positiv erwähnt werden!
Philipp, Tobias und Malin meinten die 200m zurück nicht zu Fuß bewältigen zu können und nahmen sich deshalb ein „Tucktuck“ für 20 RS. Nach verstauten Einkäufen und Ausprobieren des frisch renovierten Lifts trafen wir uns im Restaurant des Hotels (einige mit geringer Verspätung, da die Betten einfach zu bequem sind!). Selbstverständlich trafen wir dort auch auf unseren Freund vom Abend zuvor, den Kellner, der nicht müde wurde uns neue Gerichte und Nachtische vorsetzen zu wollen. Diejenigen, die sich für italienisches Essen entschieden hatten, entwickelten die Strategie „maybe tomorrow!“. Die „Inder“ waren leichter für neue Vorschläge zu begeistern.
Auch hier wurden sämtliche Gruppenbilder geschossen und langsam dämmerte es auch den Letzten von uns, dass dies unser letzter Abend war. Dies dämpfte die Stimmung (wenn auch nur vorübergehend) erheblich. In Hinblick auf den Flug zur frühen Stunde Morgen, wurden wir alle offiziell ins „Bett geschickt“ mit der Bitte nicht allzu laut zu sein. Entsetzt stellen wir fest, dass uns jegliches Zeitgefühl mittlerweile verlassen hat. Es ist schon 1:15 Uhr und wir müssen um spätestens 5 Uhr (Je nach Weckruf für unsere Spezialisten) aufstehen und uns ein, von Herr Merkle liebevoll Frühstück genanntes, heißes Wasser auf dem Zimmer kochen.
Über die morgige 20-Minuten Busfahrt sind wir sehr geteilter Meinung. Einige haben die Rückbank für sich entdeckt und eine Schlafecke daraus gemacht. Außerdem wird dies dann unsere letzte Busfahrt in Indien werden und die sind etwas ganz Besonderes für uns geworden: das Schaukeln dient hervorragend um in den Schlaf gewogen zu werden, nur um dann von den Schlaglöchern wieder geweckt zu werden. Hoffentlich wird unser Gepäck dieses Mal festgezurrt, da im Dunkeln fallende Koffer schlecht auszumachen sind.
Nun ein paar abschließende Worte zu unserer Studienreise nach Indien 2010:
Es ist vorweg zu nehmen, dass die Harmonie in der Gruppe nie durch Streits gestört wurde und wir immer füreinander da waren. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass alles so reibungslos funktioniert hat. Wir möchten noch einmal Herr Merkle zitieren und betonen, dass wir durch unsere intensiven Vorbereitungen auf alle spontanen Aktionen gefasst waren und jedes Hindernis mit Bravour gemeistert haben. Es war ein unvergessliches Erlebnis für jeden von uns und wir hoffen, dass noch viele andere Schüler diese Erfahrung machen können.
Unser allergrößter Dank gilt unseren treuen, geduldigen Begleitern Frau Waible und Herr Merkle!